2016: Segeln in der östlichen Ostsee

27. August, Karosta:

Riesige Betonquader am Ostseestrand, Plattenbauten in sowjetischer Ästhetik, romantische Backsteinruinen in uralten Parkanlagen, ein ehemaliger AtomUboothafen – so präsentiert sich heute der zweite Stadtteil von Liepaja: Karosta. Angelegt von Zar Nikolaus II wurde dieser Ort von der Sowjetunion zum gesperrten Gebiet erklärt und mit brachialer Gewalt als strategischer Marinehafen ausgebaut. Auch ein Mahnmal für viele tausende ermordeter Juden im zweiten Weltkrieg gehört dazu. Ein Ort, an dem die Luft noch heute vibriert.

26. August, Liepaja:

Hafeneindrücke im südlichsten Hafen Lettlands

14. August, Alandinseln – Hiiumaa:

Täglich sind Manöver der schwedischen Marine und der Luftwaffe zu sehen bzw. zu hören. Schnellboote flitzen durch die schmalen Schären, Düsenjets donnern über das Wasser, eine Akustik, die ich aus der DDR erinnere. Es ist körperlich spürbar, dass wir uns dem östlichen Rand der NATO nähern. Das gleiche auch in Estland. Hier mache ich die SEEADLER in einem alten sowjetischen Wirtschaftshafen fest, Lehtma, angelegt bereits während des ersten Weltkrieges. Es wird gerade Holz nach Wismar verladen. Der Hafenmeister hat genügend Zeit, nebenbei zu fischen, er brachte die schönsten Fische zu einem wunderbaren gemeinsamen Mahl vorbei. Drei Seemeilen weiter südlich fand ich einen ziemlich leeren, nagelneuen Hafen in Kärdla, in dem ich den nächsten Ostseesturm abwetterte – Zeit für die Insel, für Erkundungen in der Stadt, für interessante Gespräche mit den Leuten.

Zwischen den Aland – Inseln hat mich ein Stelldichein von vier großen Fähren überrascht, die SEEADLER hatte Not, ihren Platz am äußersten Rand des Fahrwassers zu verteidigen.

11. August, Stockholmer Schären:

Blauer Himmel, grüne Landschaft, sonniges Wetter – so präsentieren sich die reich gegliederte Landschaft der Stockholmer Schären. Viele Segler sind unterwegs, etliche Motorboote, und dennoch finden sich stille Buchten, in denen der Anker auf Grund geht. Im Hafen der Insel Sandhamn, Sitz des königlich schwedischen Yachtclubs, lagen viele edle klassische Holzyachten, einige sehr große und aufwändig restaurierte Rennyachten, die draussen auf See eine Wettfahrt austrugen. Die ältesten Schiffe waren bereits über 100 Jahre alt. Hier hat die Seeadler eine Nacht am Steg gelegen, für einen feurigen Preis, und weiter geht die Reise nach Norden, das Ziel ist abgesteckt: Aland – Inseln zwischen der schwedischen und finnischen Küste.

8.  August, Flatvarp:

Auf meiner Reise durch die schwedischen Schären nach Norden musste ich zwei Nächte auf einer Insel in einem kleinen Fischereihafen festmachen: Sturm draußen auf See. Der Wind heulte in den Wanten und ich besichtigte die Umgebung. Alte aufgepallte Holzschiffe, eine vom Gras überwucherte Werkbank, alte Stapel von Schiffbauhölzern, ein windschiefes Fischerhäuschen, am Kai ein angerosteter Hafenkran. Ein paar Angler vom Festland. Hier und da einige moderne Ferienhütten. Ein verwunschener Ort, der den alten, langsam weichenden Geist der Fischer und Bootsbauer noch ahnen lässt – von dem nun die Freizeitangler an Wochenenden und in den Ferien zunehmend Besitz ergreifen.

30. Juli 2016:

An Bord zu Besuch ist Wanda, meine kleine Enkelin, zusammen mit ihrer schwester Luise und ihren Eltern Edith und Clemens.
Wir sind ein paar Tage zusammen auf Langeland, dort liegt die SEEADLER im Hafen Bagenkop und die junge Familie urlaubt auf einem Hof.
Eine schöne, vielfältige und gemütliche Ferieninsel, dieses Eiland.

12. Juli 2016:

Der Anker fällt in einer kleinen weißen Bucht vor der dänischen Insel Farö. Das einzige, was ich weiß, ist, dass Ingmar Bergman auf diesem entlegenen Eiland seine Inspirationen gefunden hat und dass über eine sehr lange Zeit das schwedische Militär seine „schützende Hand“ über diese Insel hielt.

Ausschlafen – und dann das kleine Faltrad ins Schlauchboot und auf zu einem ersten Inseltörn.

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