Blasket – Inseln

Der Anker fällt am weißen Strand vor der großen Blasket – Insel, ich steige in das Dinghi und gehe mit der Dünung an Land. Viele Camper, Wanderer und Taucher sind hier unterwegs. Es geht den Berg hinauf in das alte Dorf, zwischen steinernen Ruinen stehen auch noch zwei frisch in weiß gestrichene Häuser. Bis vor zwei Generationen lebten hier mehrere Familien, Fischer und Bauern, hier wurde die Ladung eingesammelt von den gestrandeten Schiffen. Ich beuge mich durch den Eingang in ein niedriges Gemäuer, lehne mich an die kalten Steine. Hier, in kaum vorstellbaren kleinen Raum lebten Kinder, Eltern und Großeltern zusammen, nachts wurden die Kühe ins Haus geholt. Im Dach nisteten die Hühner. In der winzigen Schule wurde Englisch unterrichtet, um die Kinder auf die Auswanderung vorzubereiten.

Araninseln – Athos des Nordens

Auf einem Friedhof, fern im Dünensand verweht, liegt eine steinerne Ruine. Du gehst an alten Kreuzen entlang, deine Hand streicht durch das harte Dünengras, und steigst einen Hang hinab. Du beugst dich durch einen kleinen Eingang und kniest vor einem Altar in einem uralten Kirchengemäuer. Nichts regt sich, kein Hauch, Stille. In Stein gezeichnet der Kreis, darüber das Kreuz. Im Schweigen entstehen Worte.

Heilige Berge und heilige Inseln

Segeln mit einem Freund. Im Nordwesten vor Irlands Küste liegt die Insel Inishglora. Dort hat St. Brendan, der segelnde Mönch, für seine letzte Lebensphase eine Einsiedelei gebaut, nachdem er etliche Klöster gegründet hat und, wie erzählt wird, mit einer Expedition von drei Schiffen und dreißig Mann Besatzung weit in den Atlantik hinaus gesegelt ist – wahrscheinlich sogar bis nach Amerika. Das geschah 1000 Jahre bevor Kolumbus nach Westindien aufgebrochen und in Mittelamerika an Land gegangen ist.

Wir stiegen dann auf Irlands heiligsten Berg, den Croagh Patrick, mehr als 750 m über dem atlantischen Meeresspiegel. Mit uns zog ein langer Zug von Pilgern, es sollen jährlich bis zu 100000 Menschen diesen Ort aufsuchen, an dem Irlands Nationalheiliger im 5. Jahrhundert 40 Tage und 40 Nächte gefastet hat.

Pilgern durch Irlands Norden

Hinter mir liegen ein paar inspirierende Tage. In einer größeren Gruppe gab es eine Pilgertour durch den Norden Irlands. Unglaublich, welche Kraft heute noch von den heiligen Quellen, den magischen Bäumen und den uralten Steinen, mit Kreuzen versehen, ausgeht.

Vor 1500 Jahren entwickelten sich in Irland dutzende Klostergemeinschaften, die sich schnell zu sozialen und kulturellen Zentren etablierten. Aus ganz Europa bis hin zum Mittelmeer kamen Studierende hierher, um sich ausbilden zu lassen. Heute künden alte graue Kirchengemäuer, die von eindrucksvollen Hochkreuzen umgeben sind, aus jener Blütezeit keltischer Spiritualität.

Dumcliff, Hochkreuz, Paradieserzählung

 

 

Irland voraus

Die grüne Insel taucht allmählich auf. Noch ein kräftiges Stück Kreuzen, bei 7 Windstärken gegenan und Dauerregen. Hinter mir liegen die Hebriden, in diesem Jahr ein Wechsel zwischen Windstille und heftigem Starkwind. Vor mir liegt eine geschützte Sandbucht der Insel Inishbofin, ein guter Platz, um vor Anker auf besseres Wetter zu warten. Mir gegenüber liegt das Inselchen Inishdooey, auf der ich eine Ruine erkenne, offenbar ein ehemaliges Kloster. Schade, dass bei diesem Pfeifkonzert in den Wanten und der Gischt ringsum kein Besuch dort möglich ist, gerne hätte ich mir diesen Ort aus der Nähe angesehen. Beim Weitersegeln am nächsten Tag kann ich wenigstens noch schnell ein Foto machen.

Meine Planung für 2018

Windstille. Die Segel schlagen leicht in der Dünung. Ich schäle mich aus meinem Schlafsack, es ist früh am morgen. Vom Großbaum tropft Tau. Im Osten zieht ein heller Streifen am Horizont entlang, ein leuchtend oranges Licht erscheint, die Sonne steigt mit einem großen Spektakel in den Tag hinauf.

Noch 10 Seemeilen bis zur Insel Papa Stronsay, Orkneys. Dort soll der Anker fallen. Auf der Insel hat sich vor einigen Jahren eine Gemeinschaft von Mönchen niedergelassen, offenbar auf geheiligtem Boden. Papa Stronsay – ein Hinweis auf einen uralten priesterlichen Ort.

In diesem Jahr zieht es mich erneut nach Irland. Mich fasziniert die spirituelle Kraft, die von dieser Insel ausgeht. Heilige Orte und eine berührende Poesie in Gedichten und Erzählungen.

So habe ich, wie schon in den Jahren zuvor, meinen Kurs nördlich um die britischen Inseln herum abgesteckt, nicht durch den Ärmelkanal mit seinen immensen Schiffsverkehr, den Feldern von Bohrinseln und Windparks vor den britischen, niederländischen und belgischen Küsten. Aber auch hier oben stehen etliche Bohrinseln in der Nordsee, also aufpassen, Kapitän!

2016: Segeln in der östlichen Ostsee

27. August, Karosta:

Riesige Betonquader am Ostseestrand, Plattenbauten in sowjetischer Ästhetik, romantische Backsteinruinen in uralten Parkanlagen, ein ehemaliger AtomUboothafen – so präsentiert sich heute der zweite Stadtteil von Liepaja: Karosta. Angelegt von Zar Nikolaus II wurde dieser Ort von der Sowjetunion zum gesperrten Gebiet erklärt und mit brachialer Gewalt als strategischer Marinehafen ausgebaut. Auch ein Mahnmal für viele tausende ermordeter Juden im zweiten Weltkrieg gehört dazu. Ein Ort, an dem die Luft noch heute vibriert.

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Kristiansund zum Limfjord

10. – 26. Juli:   Flautensegeln, Shetlands und Orkneys besuchen, Wettrennen organisieren

So wenig Wind habe ich noch nie auf einem Haufen erlebt.
Von Kristiansund ging es in Richtung Shetlands, kaum Wind, dann zu den Orkneys, kaum Wind, und dann in fünf Tagen zum Limfjord – kein Wind.

Damit ihnen aber die Zeit nicht lang wurde … hat die SEEADLER ein Wettrennen ausgerufen.
Am Start: eine etwas schlaffe Möwe (kürzeste Entfernung zum Festland: 140 sm) und ein Ultraleichtbausegelboot.
Auch hier reichte der Wind nicht aus – die Möwe machte spielend das Rennen.

2013: Tromsö – Spitzbergen – Lofoten – Kristiansund

Der Sonne entgegen: 26. Juni – 3. Juli:

Mitternachtssonne

Vom Norden Norwegens ablegen, den Bug gen Norden gerichtet, und bei blauem Himmel die Mitternachtssonne über dem Horizont stehen sehen. Ein unwirkliches Erlebnis. Wo die Nacht war und und für viele auch die Welt zuende, dorthin zieht uns das Licht und das Meer.Recherchebreen

Silke Gajek und ich sind fünf Tage gesegelt, natürlich nicht nur unter der arktischen Sonne, sondern auch durch Nebel und Regen hindurch, und haben schlagende Segel in der Flaute genauso erlebt wie kräftigen und eisigen Wind.

Der Anker fiel dann im Bellsund, 60 sm nördlich vom Südkap Spitzbergens. Vor dem Recherchebreen, der seinen Namen einer frühen französischen Expedition verdankt, hat uns diese wilde Inselwelt der Artis begrüßt. Am nächsten Tag sind wir an den Gletscher heran gefahren und staunten nicht schlecht, dass die Abbruchkante weit hinter der kartografierten Gletscherkante liegt. Wir näherten ihr uns bis auf wenige Meter.
Dieser Gletscher zieht sich zurück, wir spürten fast körperlich, wie dieser uralte Eisrücken sein Leiden an der Erderwärmung nicht mehr zu verbergen vermag.

Wie diesem Gletscher geht es vielen anderen auch: sie schmelzen dahin. Im letzten Jahr war die Eisbedeckung der Arktis so dünn wie noch nie, so lange diese gemessen wird.
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2011 – Durch Russland und rund Skandinavien

Die erste Etappe: Von Wismar nach St. Petersburg

21. Mai – 5. Juni: Die Sonne schien, die Rapsfelder leuchteten, die Poeler Kirche winkte mütterlich herüber, als die SEEADLER die Wismarer Bucht durchquerte. Zum Auftakt dieser Sommerreise waren Stefanie und Frida mit an Bord. Hinter uns lagen anstrengende und umfangreiche Vorbereitungen – vor uns die bange Frage, ob die Reise durch Karelien, das Weiße Meer und um das Nordkap herum auch klappen würde. Denn die bürokratischen Hürden, die die russischen Behörden aufgebaute haben, waren immens.

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